Mehr Fälle, weniger Spielraum

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Der aktuelle TransUnion Debt Collection Industry Report 2025 zeichnet das Bild einer Branche unter Druck. Die Antwort der Unternehmen ist eindeutig, aber noch lange nicht flächendeckend umgesetzt.

Wer mehr Schulden eintreiben muss und gleichzeitig weniger Spielraum hat, braucht keine besseren Prozesse. Er braucht andere. Der Debt Collection Industry Report 2025 beschreibt eine Branche, die genau an diesem Punkt steht und zeigt, wie unterschiedlich die Antworten ausfallen.

Das Volumen wächst, die Marge nicht

Das Forderungsmanagement ist ein Seismograf. Es misst, was anderen Branchen verborgen bleibt: wie viele Haushalte und Unternehmen am Ende des Monats nicht mehr durchkommen. Die Daten aus Deutschland sprechen eine klare Sprache: 2025 verzeichneten die deutschen Amtsgerichte über 24.000 beantragte Unternehmensinsolvenzen, ein Anstieg von 10,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr und der höchste Stand seit 2014. Gleichzeitig stieg die Zahl der Verbraucherinsolvenzen auf 77.219, ein Plus von 8,4 Prozent. Es ist das dritte Jahr in Folge mit deutlichen Zuwächsen.

Was das für die Inkassobranche bedeutet, lässt sich international einordnen. Der siebte jährliche TransUnion Debt Collection Industry Report, der Führungskräfte und Manager aus Inkassoagenturen, Kanzleien, Debt-Buyern und Gläubigern in Nordamerika befragt, zeigt: 75 Prozent der Unternehmen rechnen mit weiter steigenden Fallzahlen, fast die Hälfte erwartet einen Anstieg von mindestens 10 Prozent im Jahr 2026. Der Druck ist strukturell, nicht konjunkturell.

Das Problem dabei: Wachsendes Volumen bedeutet nicht automatisch wachsenden Ertrag. Während 64 Prozent der befragten Unternehmen ein gestiegenes Kontenvolumen melden, berichten 28 Prozent gleichzeitig von gesunkener Liquidität. Die Branche wächst im Volumen, kämpft aber um die Marge. Kostenkontrolle ist laut Studie die meistgenannte Sorge, 58 Prozent der Befragten sind zumindest mäßig besorgt. Mehr Fälle mit weniger Ressourcen bearbeiten: Das ist die strukturelle Herausforderung, auf die die gesamte Branche eine Antwort sucht.

93 Prozent sagen ja zu KI

Die Antwort, auf die sich die Branche geeinigt hat, lautet Technologie. Und die Investitionsbereitschaft ist bemerkenswert: 76 Prozent der Unternehmen planen, ihre Ausgaben für technologische Lösungen in den nächsten zwei Jahren zu erhöhen. Damit wachsen Technologiebudgets schneller als jeder andere Kostenblock. Gleichzeitig hat sich der Blickwinkel verschoben. Während 2024 noch 28 Prozent der Technologieinvestitionen primär durch Compliance-Anforderungen getrieben wurden, ist dieser Anteil auf 14 Prozent gesunken. 48 Prozent nennen heute die Steigerung der Agentenproduktivität und Margenverbesserung als Hauptmotiv. Technologie wird nicht mehr als regulatorische Pflicht gesehen, sondern als Wettbewerbsvorteil.

KI und Machine Learning spielen dabei eine zentrale Rolle. 93 Prozent der befragten Unternehmen setzen KI bereits ein oder erkunden aktiv deren Einsatz, gegenüber 73 Prozent im Vorjahr. Wer keinerlei KI-Pläne hat, ist mit 7 Prozent inzwischen eine kleine Minderheit. Doch hinter dieser Zahl verbirgt sich eine erhebliche Bandbreite: Viele Unternehmen, insbesondere kleinere, befinden sich noch in der Evaluierungsphase. 93 Prozent der Branche sind also nicht gleich 93 Prozent Umsetzung.

Menschen bleiben, Aufgaben ändern sich

Das führt zur eigentlich entscheidenden Frage: Was verändert KI im Inneren dieser Branche, jenseits der Adoptionszahlen? Ein verbreitetes Missverständnis lautet, dass KI im Forderungsmanagement Menschen ersetzt. Der TransUnion-Report zeichnet ein differenzierteres Bild.

Die am häufigsten eingesetzten KI-Anwendungsfelder sind Qualitätssicherung und Compliance sowie Chat- und Schriftkommunikation, beide mit 47 Prozent, gefolgt von Scoring und Behandlungsstrategien mit 45 Prozent sowie Sprachkommunikation mit 44 Prozent. KI übernimmt also vor allem repetitive, regelbasierte und datenintensive Aufgaben: Konten priorisieren, Kommunikation aussteuern, Compliance in Echtzeit überwachen. Was bleibt, ist die Arbeit, die Urteilsvermögen erfordert.

Was das für die Belegschaft bedeutet, zeigt sich auch in den Personalstrategien: 69 Prozent der Unternehmen setzen auf Anerkennung und Belohnung von Mitarbeiterleistungen als wichtigste Retentionmaßnahme, 62 Prozent auf flexible Arbeitsmodelle. Nicht weniger Personal ist das Ziel, sondern ein gezielter Einsatz. Der Wandel betrifft weniger die Köpfe als die Aufgaben: weg von manuellen Workflows, hin zu komplexerer Urteilsarbeit, die KI noch nicht leisten kann.

Strukturwandel als Geschäftsmodell

Was die TransUnion-Studie als Branchentrend beschreibt, ist für einzelne Unternehmen längst operative Realität. coeo zählt zu den Inkassounternehmen, die den Strukturwandel nicht erst kommen sehen, sondern ihn aktiv gestalten. Als technologiegetriebenes Unternehmen mit KI-gestützten Prozessen entlang der gesamten Forderungskette arbeitet coeo bereits in einem Modell, das die Studie als Zielzustand für die Mehrheit der Branche beschreibt: Technologie steigert die Effizienz, während spezialisierte Teams sich auf Beziehungsarbeit, komplexe Fälle und strategische Entscheidungen konzentrieren.

Die Frage, die der TransUnion-Report für die Branche aufwirft, lautet nicht ob KI das Forderungsmanagement verändern wird. Sie lautet: Wer gestaltet diesen Wandel, und wer wird von ihm gestaltet.

Zur Studie: Der Debt Collection Industry Report 2025 wurde von TransUnion in Zusammenarbeit mit Receivables Info veröffentlicht und von Branchenveteran Adam Parks verfasst. Es handelt sich um die siebte jährliche Ausgabe der Erhebung. Befragt wurden Führungskräfte und Manager aus dem gesamten Spektrum der Forderungsbranche in Nordamerika, darunter Inkassoagenturen, Debt-Buyer, auf Inkasso spezialisierte Kanzleien, BPO-Anbieter und Originalgläubiger. Die Befragung erfolgte anonym. Für 2025 wurden die Fragen gezielt um die Themen digitale Transformation, KI- und ML-Einsatz sowie Risikomanagement erweitert. Ergänzt wird die Primärerhebung durch Sekundärdaten aus Verbraucherfinanzstudien, nationalen Wirtschaftsindikatoren und proprietären TransUnion-Analysen.

Titelbild © venusvi

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Häufige Fragen

Warum ist KI im Forderungsmanagement aktuell so ein zentrales Thema?

Weil viele Unternehmen mehr Fälle bearbeiten müssen, ohne dass Personal, Liquidität oder Margen im gleichen Maßstab wachsen. KI wird dadurch zum Mittel, um Priorisierung, Kommunikation, Qualitätssicherung und Steuerung effizienter aufzusetzen.

Ersetzt KI im Inkasso menschliche Arbeit?

Der Text legt eher das Gegenteil nahe: Standardisierte, datenintensive und repetitive Aufgaben werden stärker automatisiert, während komplexe Entscheidungen, sensible Kommunikation und urteilsbasierte Fallarbeit bei spezialisierten Teams bleiben.

Warum passt der Beitrag gut in einen Zukunftsradar?

Weil er nicht nur Zahlen referiert, sondern eine Entwicklungslinie sichtbar macht: vom klassischen Effizienzdenken hin zu einem neuen Betriebsmodell im Forderungsmanagement, in dem Technologie, Organisation und Rollenprofile neu zusammenspielen.

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