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„Produktivität, Effizienz und Wohlstand sind unterschiedliche Paar Schuhe.“


Den Abschluss des Customer Focus Summit #6 bildet eine Podiumsdiskussion, die bewusst die Flughöhe wechselt. Sebastian Ludwig, CEO DACH der coeo Group, Gertrud Kolb, CTO der Scout24 SE, und Richard David Precht, Philosoph und einer der bekanntesten deutschen Zukunftsdenker, diskutieren gemeinsam eine große Frage: Ist das, was wir gerade mit KI erleben, wirklich vergleichbar mit der industriellen Revolution? Oder ist es noch fundamentaler?

Ist KI die neue Dampfmaschine?

Den Abschluss des Customer Focus Summit #6 bildet eine Podiumsdiskussion, die bewusst die Flughöhe wechselt. Sebastian Ludwig, CEO DACH der coeo Group, Gertrud Kolb, CTO der Scout24 SE, und Richard David Precht, Philosoph und einer der bekanntesten deutschen Zukunftsdenker, nehmen sich eine große Frage vor: Ist das, was wir gerade mit KI erleben, wirklich vergleichbar mit der industriellen Revolution? Oder ist es noch fundamentaler?

Precht ordnet ein: Die erste industrielle Revolution hat nicht nur Wohlstand geschaffen, sie hat das gesellschaftliche Betriebssystem der Neuzeit begründet, die bürgerliche Lohnarbeits- und Leistungsgesellschaft, mit Rechtsstaat, Demokratie und Wahlrecht. Was wir heute erleben, das zweite Maschinenzeitalter, ist nicht nur schneller und globaler. Es ersetzt diesmal nicht die Fähigkeiten der menschlichen Hand, sondern die des menschlichen Gehirns. Die Frage, ob die liberale Demokratie noch die passende Herrschaftsform dafür ist, lässt Precht bewusst offen.

Technofeudalismus als Bedrohungslage

Was ihn besorgt, benennt Precht klar: Die Datenökonomie funktioniert in ihrer Grundlogik nicht liberal-demokratisch, sondern feudal. Wenige Technologiekonzerne verteilen die Erträge unter sich, ohne dafür auf breite gesellschaftliche Teilhabe angewiesen zu sein. Die größte Bedrohung für Freiheit kommt für Precht weder aus China noch von Putin, sondern von innen: aus der Tendenz der digitalen Ökonomie, gegen das Prinzip der Demokratie zu arbeiten.

Was Technologie und Produktivität wirklich bedeuten

Gertrud Kolb bringt die Praxisperspektive ein. Dass KI Prozesse effizienter macht, steht für sie außer Frage. Rollen verändern sich schneller als erwartet, die Trennung zwischen Softwareentwicklung, UX und Produktmanagement verschwimmt, und Vibe Coding macht es möglich, dass deutlich mehr Menschen an der Entwicklung digitaler Produkte teilnehmen. Aber ob daraus auch volkswirtschaftlicher Wohlstand entsteht, ist eine andere Frage. Produktivität im ökonomischen Sinne, also der Anteil am BIP pro Kopf, lässt sich nicht einfach mit Prozesseffizienz gleichsetzen. Effizienz und Wohlstand sind, wie Kolb es formuliert, unterschiedliche Paar Schuhe.

Sebastian Ludwig ergänzt aus dem Unternehmensalltag: Technologie kann langfristig zu mehr Wohlstand führen, wird aber zunächst eine lange Delle durchlaufen. Und in der Politik wird über KI noch viel zu wenig gesprochen.

Skepsis als konstruktive Kraft

Am Ende landet die Runde bei einem gemeinsamen Gedanken. Zukunftsskepsis und Zukunftshoffnung sind kein Widerspruch. Precht hält ein klares Plädoyer für den Optimismus, nicht weil er realistischer wäre als Pessimismus, sondern weil Optimisten mehr Spaß dabei haben. Ludwig ergänzt: Was es zusätzlich braucht, ist Zukunftsfreude. Die Überzeugung, dass vieles, was entsteht, auch gut sein kann.

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