Wissensvorsprung war gestern. Thomas Hackmann, Chief People Officer bei coeo, zeigt, was Führung im KI-Zeitalter wirklich ausmacht und warum Haltung wichtiger wird als Hierarchie.
Wenn der Wissensvorsprung wegfällt
Thomas Hackmann, Chief People Officer bei coeo, stellt in seinem Vortrag beim Customer Focus Summit #6 eine unbequeme Frage: Wofür legitimiert sich Führung eigentlich, wenn KI denselben Wissensstand innerhalb von Sekunden für alle verfügbar macht? Was jahrelange Berufserfahrung an Wissen aufgebaut hat, liefert die KI heute auf Knopfdruck. Nicht nur der Führungskraft, sondern auch dem Mitarbeitenden. Damit verschwindet eine der zentralen Grundlagen klassischer Führung.
Hackmanns Schluss ist klar: Führung muss sich neu legitimieren. Nicht über Rang, nicht über Fachwissen, sondern über Haltung. Über die Fähigkeit, Orientierung zu geben, Themen einzuordnen und Entscheidungen zu treffen, die authentisch mit dem Unternehmen und seinen Werten übereinstimmen.
Werte leben, nicht aufhängen
Bei coeo hat dieser Gedanke konkrete Form angenommen. Vor über vier Jahren hat das Management gemeinsam mit dem Team Werte erarbeitet, die seitdem die tägliche Zusammenarbeit prägen. Kein Plakat an der Wand, keine Kaffeetasse. Der Schlüssel liegt im Vorleben, täglich, konsequent und in der Personalauswahl. Beim Recruiting achtet coeo bewusst darauf, Menschen zu finden, die in derselben Wertewelt unterwegs sind. Fachliche Lücken lassen sich schließen. Cultural Fit nicht.
Ethik fängt da an, wo Regeln aufhören
Je schneller KI Prozesse optimiert und Entscheidungsvorlagen generiert, desto wichtiger wird eine stabile Wertematrix. Hackmann bringt es auf den Punkt: „Ethik fängt da an, wo die Regeln aufhören.“ Genau dann brauchen Führungskräfte ein Fundament, das Orientierung gibt. Denn KI hat kein Gewissen und keine Kultur. Das müssen Menschen in den Prozess einbringen.
Innen wie außen
Was für Führung gilt, gilt auch für Kundenzentrierung. Hackmann ist überzeugt: Wer intern mit einer anderen Haltung agiert als nach außen, wird nicht authentisch wirken. Bei coeo gilt daher dasselbe Prinzip für den Umgang mit Mitarbeitenden wie für den Umgang mit Schuldnern, die das Unternehmen schon seit Jahren konsequent als Kunden bezeichnet.
KI als Werkzeug, Mensch als Maßstab
Auf die Frage, wie coeo intern mit Ängsten rund um KI umgeht, antwortet Hackmann mit Transparenz. KI ist bereits Teil des Arbeitsalltags bei coeo. Ja, es gibt Unsicherheiten. Und ja, die Herausforderungen werden anspruchsvoller. Aber: Stellen werden nicht rationalisiert. KI bleibt Werkzeug. Die entscheidende Führungsaufgabe der Zukunft ist nicht, KI zu beherrschen, sondern Urteilskraft zu bewahren, Selbstreflexion zu praktizieren und Orientierung zu geben, wenn alles schneller wird.